Stipendium nach Flucht aus Afghanistan

1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 4.50 (14 Votes)

Nicht viele Menschen in Deutschland erhalten ein Stipendium. Hierbei handelt es sich um eine finanzielle Unterstützung für Wissenschaftler, Sportler, Studenten oder auch Schüler, die ihnen von einer Institution gewährt wird. Um ein solches Stipendium zu erhalten, muss man sich bei der Institution bewerben und sich dann gegen andere Bewerber um das Stipendium durchsetzen. Ein Schüler unserer Schule hat es geschafft, ein solches Stipendium zu erhalten: Anil Latifie aus der 9e. Anil ist Flüchtling und kam vor etwa zwei Jahren nach Deutschland. Wir haben ihn zu seiner Lebensgeschichte und seinem Stipendium befragt.

Du hast ein Stipendium. Um welches Stipendium handelt es sich und was bekommst du durch das Stipendium?
Es handelt sich um ein Schülerstipendium der Start-Stiftung über zwei Jahre. Ich bekomme von der Stiftung eine finanzielle Zuwendung von 250€ alle drei Monate. Davon kann ich mir Sachen für die Schule kaufen, wie zum Beispiel Bücher oder Hefte. Ich darf das Geld auch für kulturelle Dinge ausgeben wie Theaterbesuche. Am Ende eines jeden Halbjahrs muss ich einen Bericht darüber schreiben, was ich von dem Geld, das mir die Stiftung zur Verfügung stellt, gekauft habe.

Wie bist du an das Stipendium gekommen?
Die ursprüngliche Idee stammt von Frau Appelbaum, die damit an meinen Klassenlehrer Herrn Raths herangetreten ist. Dieser teilte meinem damaligen Erzieher Herrn Rochel mit, dass er sich dieses Stipendium für mich gut vorstellen könnte. Herr Raths und Herr Rochel haben diese Idee weiterverfolgt und Gutachten über mich geschrieben. Diese Gutachten waren die Voraussetzung dafür, dass ich mich für das Stipendium bewerben konnte. Dies habe ich dann auch getan und kurz darauf wurde ich zum Vorstellungsgespräch bei der Start-Stiftung nach Wuppertal eingeladen, wo ich mit Herr Rochel hingefahren bin. Bereits kurz nach dem Gespräch kam die Antwort der Stiftung, dass ich das Stipendium bekomme.

Du stammst aus Afghanistan und bist erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland. Wie bist du hierhin gekommen?
Ich wusste selbst lange nicht, dass ich nach Deutschland gehe, da meine Tante alles für mich organisiert hat. Nach Europa bin ich mit einem „Schlepper“ gekommen, den meine Tante dafür bezahlt hat.  Meine Reise führte über den Iran in die Türkei. Wie ich dann nach Deutschland gekommen bin, weiß ich nicht, da wir als Flüchtlinge - ich bin mit ein paar anderen Jugendlichen aus Afghanistan geflohen - von dem „Schlepper“ Schlaftabletten bekommen haben. Ich bin dann in Deutschland wieder aufgewacht.

Wo und wie hast du in Afghanistan gelebt?
Ich habe bis ich 14 Jahre alt war in Kapisa, einer Stadt im Osten des Landes in der Nähe von Kabul, glücklich gewohnt. Aber nach dem Tod meiner Eltern bin ich mit meinen Geschwistern nach Kunduz zu meiner Tante in den Norden Afghanistan gefahren, weil wir in Kapisa niemand mehr hatten, der uns hätte helfen können.

Wo lebst in Deutschland?
Ich wohne in einer Jugendwohngemeinschaft. Ich habe mich dort mittlerweile so gut eingelebt, dass ich die Menschen in der Wohngemeinschaft als meine Familie bezeichnen würde, ich fühle mich dort sehr wohl.

Wie schnell hast du dich in Deutschland eingelebt?
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich sehr schnell in Deutschland eingelebt habe, da ich die deutsche Sprache sehr schnell gelernt habe, mit den Deutschen rasch klarkam und direkt neue Freunde gefunden habe. Ich konnte schon nach einem Monat in Deutschland ein bisschen die deutsche Sprache sprechen.

Was sind deine Lieblingsfächer?
Für mich ist eigentlich kein Fach langweilig, aber es gibt natürlich Fächer, die ich mehr mag als andere. Diese sind Deutsch (weil ich Deutsch leicht finde), Mathematik, Sport, Englisch und Gesellschaftslehre.

In welchen Fächern hast du die meisten Probleme?
Die meisten Probleme habe ich im Fach Biologie.

Worin bestehen die größten Unterschiede zwischen Afghanistan und Deutschland?
Die größten Unterschiede sind die hier herrschende Freiheit und der in Afghanistan herrschende Krieg. Diese Auseinandersetzung spielt weiterhin eine große Rolle in Afghanistan und belastet das Land und die Menschen sehr.

Hast du noch Verwandte in Afghanistan?
Verwandte ja, aber bevor mein Vater starb, hat er sich mit diesen zerstritten und den Kontakt abgebrochen. Daher habe ich auch keinen Kontakt zu diesen Verwandten.

Was sind deine Ziele in Deutschland?
Ich möchte in Deutschland leben und mir hier eine Zukunft aufbauen. Ich lebe gerne hier und genieße die Freiheit in Deutschland, die ich in Afghanistan nicht mehr habe. Ich habe es am eigenen Leib erfahren müssen, was es heißt, keine Freiheit mehr zu haben und was Freiheit überhaupt bedeutet. Ich würde später auch gerne eine Familie haben.

Herzlichen Dank für das Interview, wir wünschen Dir noch viel Erfolg und dass Du deine Ziele in Deutschland erreichst.

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Ausgefragt: Die Frage der Woche!

Unsere Frage der Woche - jetzt zum abstimmen!

 

Hier klicken, um das Ergebnis der letzten Frage der Woche zu sehen!

Wer ist online