Interview mit Carsten Linnemann, MdB

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Gab es einen bestimmten Anlass oder eine wichtige Erfahrung in ihrem Leben, die Sie bewogen hat in die Politik zu gehen?

Ja, ich habe mal in einer deutschen Bank gearbeitet und da hatte ich einen Chef, der viele Vorträge gehalten hat. Mit ihm bin ich auch viel umher gereist. Er hatte feste Überzeugungen und für diese Überzeugungen stand er ein. Diese Haltung hat mich so begeistert, dass sie dazu geführt hat, dass ich Politik heute so mache, wie ich sie mache. Ich habe gelernt, dass man Menschen überzeugen muss, wenn man Erfolg haben will.

 

 

Warum sind Sie Mitglied der CDU, und nicht der SPD oder der Grünen?

Die Ursprünge liegen in Schwaney, wo ich aufgewachsen bin. Die Junge Union hat dort Fußballturniere organisiert, bei denen ich mitgespielt habe. Und weil meine Fußballfreunde in der Jungen Union waren, bin ich auch eingestiegen. Es ging also anfangs vor allem um Sport und Spaß, erst später kamen die Inhalte dazu. Die CDU ist einfach die Partei, mit deren Vorstellungen von Politik ich mich am besten identifizieren kann. 

 

In welchen Fachausschüssen sind Sie aktiv?

Im Ausschuss Arbeit und Soziales. Dort beschäftigt man sich beispielsweise mit dem Thema Rente, also einem wichtigen Zukunftsthema. Zudem bin ich stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss.

 

Wie sieht ihr politischer Alltag aus?

Über den Daumen gepeilt, bin ich etwa ein halbes Jahr in Berlin und ein halbes Jahr in Paderborn. Wenn ich in Berlin bin, dann arbeite ich an Gesetzen. Dazu sind viele Gespräche und Sitzungen mit den Kolleginnen und Kollegen im Bundestag nötig. Bereits Montag abends treffe ich erstmals die Kollegen der Landesgruppe, um mich mit ihnen auszutauschen. Der Dienstagmorgen steht den Arbeitsgruppen zur Verfügung, während nachmittags die Fraktionen tagen. Bei der Unionsfraktion ist dann selbstverständlich auch immer die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, dabei. Mittwochs tagen die Ausschüsse, donnerstags und freitags finden die Plenarsitzungen statt. 

In Paderborn habe ich zum einen repräsentative Aufgaben wahrzunehmen, zum anderen bin ich aber auch für die Bürger da, wenn es Probleme oder Fragen gibt. So gebe ich jedem Bürger die Möglichkeit zu einem persönlichen Austausch. Sei es am Telefon oder – so wie jetzt mit euch – in einem persönlichen Gespräch. Kurzum: Leerlauf gibt es eigentlich nie. Aber es ist wie in anderen Jobs auch: An manchen Abenden kommt man nach Hause und denkt: „Mensch, das war ein toller Tag“. Und dann gibt es wieder Tage, die man am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen würde. 

 

 

Welche Vorbilder haben Sie?

Mein Vater, denn er hat mir beigebracht, dass man nur mit Fleiß was erreichen kann. Jeder Mensch hat Talente und diese Talente muss man mit Fleiß verfolgen. Dabei ist es unglaublich wichtig, sein Ziel immer fest vor Augen zu haben.

 

Was war in Ihrer politischen Tätigkeit das Wichtigste, das sie erreicht haben?

Die Flexi-Rente. Dabei geht es um längeres Arbeiten. Jeder der möchte, soll über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten dürfen. Mein Ziel ist es, dass es normal wird, wenn Menschen auch im hohen Alter noch arbeiten, wenn sie es wollen. Wichtige Hürden auf dem Weg dorthin haben wir mit den Regelungen der Flexi-Rente beseitigt. Aber klar ist auch, dass es hier nicht nur um rechtliche Hürden geht, sondern auch um solche in den Köpfen der Menschen. Es braucht einen Mentalitätswechsel – und der braucht Zeit.

 

Was stört Sie an der eigenen Partei am meisten?

Dass wir uns nur noch auf Angela Merkel konzentrieren und sie faktisch unser Parteiprogramm ist. Das ist zu wenig, wir müssen uns wieder zu den anderen Parteien unterscheidbar machen. Eine solche Unterscheidbarkeit ist wichtig, damit die Menschen auch einen Anreiz haben, zur Wahl zu gehen. 

 

Was halten Sie von der jetzigen Flüchtlingspolitik und wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten?

Eine einfache Lösung dieser Krise gibt es nicht. Das weiß jeder. Aber Verbesserungsmöglichkeiten sehe ich durchaus, vor allem auch auf europäischer Ebene. Deutschland kann nicht weiterhin so viele Flüchtlinge aufnehmen wie bisher. Das würde uns glatt überfordern. Deshalb muss man zu einem Verfahren kommen, das die Flüchtlinge auf die EU-Partner verteilt. Richtig ist aber auch, dass von Deutschland derzeit eine extreme Magnetwirkung ausgeht. Wer auf dem Weg nach Europa ist, ist meist auch auf dem Weg zu uns nach Deutschland. Und da die EU-Außengrenzen nicht geschützt und kontrolliert werden, haben wir es mit diesem großen Andrang zu tun. Oberstes Ziel muss es also sein, die EU-Außengrenzen wirkungsvoll zu sichern. Aber solange das nicht funktioniert, müssen wir hier in Deutschland auch nationale Maßnahmen ergreifen. Deutschland muss das Signal aussenden, dass auch unsere Kräfte nicht unendlich sind. Das ist nur fair gegenüber jenen, die ihre Heimat verlassen und hier auf ein besseres Leben hoffen. Wenn wir so weitermachen wie bisher, sind Enttäuschungen vorprogrammiert, und zwar auf beiden Seiten. Das kann keiner wollen.

 

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Flüchtlingssituation und den Anschläge in Paris?

Nein. Aber klar ist auch, dass ein völlig unkontrollierter Flüchtlingszuzug sicherheitspolitische Risiken in sich birgt. So halten sich etwa 200.000 bis 300.000 Menschen bei uns im Land auf, von denen wir nicht wissen, wer sie sind und wo genau sie sich aufhalten. Da müssen wir ganz schnell gegensteuern.

 

Denken Sie, Deutschland ist bedroht?

Ja, leider. Auch Deutschland steht im Fadenkreuz der islamistischen Fanatiker. Und es wäre blauäugig zu meinen, diese Bedrohung ließe sich in Kürze beseitigen. Wir werden mit dieser Gefahr eine sehr lange Zeit leben müssen und das auch im Alltag merken. Als ich zum Beispiel letztens im Zug unterwegs war, sah ich einen Koffer. Von einem Besitzer keine Spur. Ich habe dann umgehend den Zugbegleiter angesprochen. Letztlich stellte sich alles als harmlos heraus, aber man merkt halt, dass man sich im Alltag etwas anders verhält. Fakt ist auch, dass es keine 100%ige Sicherheit geben kann. Aber unsere Sicherheitsbehörden tun, was sie können. Jetzt ist es Aufgabe der Politik, sie personell und materiell so auszustatten, dass sie auch weiterhin eine gute Arbeit leisten können.

 

Haben Sie Angst vor weiteren Terroranschläge?

Angst ist nicht der richtige Ausdruck. Und es wäre auch falsch, jetzt in eine Art von Angststarre zu verfallen. Der IS legt es darauf an, uns in Angst zu versetzen. Sie wollen, dass wir unseren Lebensstil ändern, dass wir unsere freiheitlichen Werte aufgeben. Aber gerade diese Werte, darunter zum Beispiel die Meinungs- und Pressefreiheit, sind echte Errungenschaften. Errungenschaften, die wir verteidigen müssen. Und zwar nicht zuletzt auch dadurch, dass wir unser freiheitliches Leben selbstbewusst weiterführen.

 

Finden Sie, dass die Absage des Länderspiels gerechtfertigt war?

Natürlich war es sehr schade, dass ausgerechnet dieses Spiel abgesagt wurde. Schließlich sollte es auch ein ganz bewusster Symbolakt gegen den Terror und für die Völkerverständigung werden. Aber letztlich geht Sicherheit vor. Offenbar lagen so deutliche Hinweise vor, dass die Verantwortlichen die Reißleine ziehen mussten.

 

Wir bedanken uns im Namen der speektakel-Redaktion ganz herzlich bei Carsten Linnemann, dass er sich so viel Zeit für uns genommen hat und uns diesen tollen Einblick in die Welt der Politik ermöglicht hat.

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